Sebastian Bohnen, 4105400, Abschrift der Referats Skizze für das Tutorium zur praktischen Philosophie, Felix Krafft/Sarah Blasczyk, SS 2005
Adam Kadmon - der erste Philosoph
Die These meines Referats ist in der Überschrift bereits genannt: Zu beweisen ist, dass die Figur des Adams, beschrieben in dem ersten Buch Mose Kapitel 1: die Genesis, ein Philosoph war.
Dass Adam dann der älteste oder der erste in der Geschichte der Philosophie war, ist eindeutig aus dem Zusammenhang, dass normalerweise der Grieche Thales als der erste gilt und dieser um die 3500 Jahre später als Adam lebte, wenn man den Berechnungen des Bischofs Uscher Glauben schenkt, der aus den Zeitangaben im alten Testament die Entstehung der Welt auf 4004 Jahre vor Christus berechnet hat.
Um nun den Beweis anzustellen, dass Adam ein Philosoph und nicht nur eine biblische Figur war, gilt es zu definieren was einen Philosoph ausmacht. Die Definition die ich vorschlage, ist dass ein Mensch dann als ein Philosoph anzusehen ist, wenn er eine der Methoden dieser Wissenschaft bewusst anwendet. Ich gehe davon aus, dass es in der Philosophie hauptsächlich um die vier Bereiche der Ethik, der Logik, der Epistemologie und der Metaphysik geht, und dass es in der Epistemologie die beiden Hauptmethoden des Empirismus und des Rationalismus gibt. Ich denke nun behaupten zu können, dass Adam ein Rationalist war, nämlich in der nominalistischen Form des Rationalismus, als er seine Frau Eva nannte.
(1. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 20)
Dass der Vorgang der Benennung rein rational ist, ist selbstverständlich. Also folgt: qed
Die für den Beweis angestellten Betrachtungen des Buches der Genesis ergeben andere, interessante Ergebnisse die über das eigentliche Thema des Referats hinausgehen, aber auch wichtig sind, und deswegen genannt werden müssen.
So kann man zum Beispiel Eva die erste Empirikerin in der Geschichte der Philosophie nennen, da sie die Methode der sinnlichen Wahrnehmung zur Erkenntnis als Erste anwand, in dem Moment, in dem sie in den Apfel biss, der ihr von der Schlange am Baum des Wissens angeboten wurde.
Des Weiteren kann man viele Parallelen zwischen der modernen wissenschaftlichen Evolutionstheorie und der biblischen Schöpfungsgeschichte erkennen, die sich gar nicht widersprechen müssen, sondern gegenseitig befruchtend wirken können, wenn man den Text der Genesis metaphorisch interpretiert, anstatt die Zeitangeben zum Beispiel wortwörtlich zu nehmen.
Ein anderer Moment, der der These meines Referats Unterstützung gibt, ergibt sich jedoch aus dem Zusammenhang, dass das alte Testament in der Übersetzung nach Martin Luther nicht die einzige Quelle ist, aus der wir Informationen über die biblische Person Adam entnehmen können: Die jüdische Tradition verfügt neben der Torah, bzw. den fünf Büchern des Mose, auch über die kabbalistischen Texte. In den Büchern der Kabbala wird Adam zum Beispiel Adam Kadmon genannt, was aus dem Hebräischen übersetzt der universelle Mensch bedeutet.
Adam als den universellen Menschen, bzw. den universellen Mann zu betrachten, und nicht bloß als Individuum, passt deswegen sehr gut in die Argumentation, dass er der erste Philosoph hat sein müssen, wenn man sich fragt, was den universellen Mann ausmacht, bzw. was er hat tun müssen, denn so ist die Antwort, dass er die Familie und die Sippe anführen musste.
Und die besten Anführer sind nach Platon wiederum ausschließlich die Philosophen, die das rationale Denken als ultimative Richtschnur praktizieren, nachdem sie die Form des Guten, in der Form der Sonne in der Welt außerhalb der Höhle wahrgenommen haben.
Ich halte also die zu begründen These für ausreichend bewiesen, um ihr für genauere Untersuchungen nachzugehen, als es der Rahmen dieses Referats, oder die Abschrift des Skripts erlauben.
Bibliographie
James Usher, Annales veteris testamenti, a prima mundi origine deducti (1650)
Das Alte Testament, nach der Übersetzung Martin Luthers
Sefer Yetzirah
Bahir
Platon, die Republik
